Archiv für den Monat: September 2014

Neue Worte braucht die Welt

In Leipzig auf dem Degrowth-Kongress haben wir zusammen mit Silke Helfrich und Thomas Dönnebrink einen Wort-Such-Workshop veranstaltet. Dahinter standen verschiedene Bedürfnisse, um neue Formen des Wirtschaftens zu bezeichnen und zu beschreiben.

I. Zum einen schließen viele englische Wörter wie Commons, Open Source und Open Access viele Menschen aus.
II. Zum zweiten scheint es uns notwendig, zentrale Worte neu – oder wieder – zu besetzen. Beispiele dafür sind Arbeit und Ökonomie. Wer heute von Arbeit spricht, denkt an Erwerbsarbeit. Ökonomie leitet sich ursprünglich vom Griechischen „Oikos“ (οἶκος ) ab , was Haushaltung bedeutet. Doch gegenwärtig assoziiert fast jeder Börsen, Finanzmärkte, Welthandel und Wettbewerb damit. Eventuell muss das mit leichten Abweichungen vom bisher gebrauchten Wort einhergehen
III. Zum dritten wollen wir neue Wörter schöpfen – schließlich geht es ja um neue Formen des Wirtschaftens.
24 Menschen haben mit uns zusammen Worte gewendet und gewendelt. Danke für die vielen Impulse, die wir hiermit als Ausdruck der Schwarmintelligenz als offene Quelle zur Nutzung und Weiterentwicklung veröffentlichen. Es gibt noch viel Bedarf für neue Wortschöpfungen – wie schon daran zu sehen ist, dass viele Felder noch frei sind.

Wir bitten um Ergänzungen!

Worte1

Angela Merkel will sich dem guten Leben widmen

Die Kanzlerin will mit Bürgern über die Frage ins Gespräch kommen, was das “gute Leben” ausmacht – das zumindest hat das Kanzleramt am 2. April angekündigt. Allerdings geht das alles nicht so schnell….ich habe bei der Pressestelle angerufen und habe zunächst niemand erreicht, der irgendetwas dazu sagen konnte. Beim dritten Anruf erfuhr ich, dass da wohl im kommenden Jahr ein Online-Dialog laufen soll.

Aber immerhin kann man zu der Ankündigung jetzt schon Kommentare abgeben – und das habe ich getan – und hoffe, dass das Kanzleramt nun mit mail-Post geflutet wird!

Hier das, was ich an Angela Merkel geschrieben habe:

Sehr gute Idee. Frau Kanzlerin, kommen Sie mit uns BürgerInnen ins Gespräch! Leider habe ich von Ihrer Pressestelle gehört, dass es erst im nächsten Jahr losgehen soll. Warum dauert es so lange – wenn der Dialog mit BürgerInnen doch am Anfang stehen soll?!

Aber wir wollen ja alle entschleunigen. Deshalb empfehle ich Ihnen für einen gemütlichen Abend als Vorbereitung die Lektüre unseres Buches: “Die Glücksökonomie. Wer teilt hat mehr vom Leben”, das Ute Scheub und ich gerade veröffentlicht haben. Darin finden Sie schon viele Anregungen von BürgerInnen: Wir haben Menschen und Projekte besucht, die schon heute beim Wirtschaften völlig andere Prioritäten setzen als Geldvermehrung und Wettbewerb – und das funktioniert! Außerdem haben wir die internationale Glücksforschung populärwissenschaftlich aufgearbeitet und da ist ganz klar: Glücklich machen stabile Beziehungen, eigene Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten, Kooperation und Naturerfahrungen. In der Wirtschaftspolitik spielen diese Kriterien bisher keinerlei Rolle, und so hat sich das BIP zwar immer weiter gesteigert, aber die Zufriedenheit der Bevölkerung nicht. Das sollte doch zu denken geben und bei einer künftigen Gestaltung der Wirtschaftspolitik unbedingt berücksichtigt werden!

Nun wünsche ich Ihnen einen schönen Tag und hoffe auf einen baldigen und intensiven BürgerInnendialog! Wenn Sie Lust haben, können Sie auch gern mal vorbeikommen und wir trinken einen Kaffee.

Viele Grüße
Annette Jensen

Bewundernswerte Selbstorganisation auf der Degrowth

Die Selbstorganisation auf der Leipziger Degrowth hat mich schwer beeindruckt. Auf dem Innenhof der Universität kochte ein Kollektiv, dem zu jeder Zeit genügend Freiwillige zur Seite standen, in großen Bottichen für zwei- bis dreitausend Leute. Andere Ehrenamtliche wuschen ab, versorgten die ReferentInnen der Veranstaltungen mit Material oder saßen an Infoschaltern und organisierten Räume für Open Spaces per Handys und Internet. Alles klappte nach meinem Eindruck reibungslos und besser als unter jeder Regie von Profis.

Ein ähnliches Bild bot sich in den Workshops. Als ich junge Studentin war, erlebte ich Macht- und Hahnenkämpfe in jedem Seminar; polarisierte Kampfabstimmungen, die niemandem nutzten. Heute kennen sich erstaunlich viele junge Leute mit basisdemokratischer Selbstorganisation aus, mit Open Spaces, Fishbowls, Councils, Konsens- oder Konsentdemokratie und wie die Methoden alle heißen. Vielredner und Polarisierer haben dadurch kaum mehr eine Chance. Auch ein Beitrag zur Glücksökonomie!