Archiv für den Monat: Dezember 2014

Auf gutes Zusammenleben!

Am 3. Dezember 2014 durfte der Glücksforscher Stefan Bergheim als Berater der Bundesregierung erste Ergebnisse seiner Glücksrecherchen  im Kanzleramt vorstellen. Für ihr Projekt “Gut leben – Lebensqualität in Deutschland” will die Regierung nämlich wissen, was den Leuten wirklich wichtig ist, um daraus im Laufe des nächsten Jahres einen “Aktionsplan” zu stricken. Und Bergheim als Direktor des “Zentrums für gesellschaftlichen Fortschritt” hat in zahlreichen Interviews im Frankfurter Raum rausgekriegt: gut zusammenleben ist ihnen am allerwichtigsten. Das sei “das große Aha-Erlebnis” gewesen, staunte er in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio.

Lieber Herr Bergheim, wir wundern uns jetzt ein bisschen, dass Sie das so überrascht. Ähnliches steht in den allermeisten Berichten der internationalen Glücksforschung. Aber gut, man kann ja nicht alles lesen, sonst kommt man ja gar nicht mehr selbst zum guten Leben.

Doch halt: bei der Bundesregierung heißt es “Gut leben”. Zwei ganz gefährliche Buchstaben sind hier ausradiert worden: “Gutes Leben” erinnert nämlich an die indigene Philosophie des “Buen Vivir” in Lateinamerika, und die linken Regierungen von Bolivien und Ecuador haben sie als Staatsziel festgeschrieben.

Schade, dass die Kanzlerin Annette Jensens Einladung zum Kaffee nicht wahrgenommen hat. Wir hätten die zwei kleinen Buchstaben gerettet und ihr unseren “Aktionsplan zur Förderung des guten Lebens” in die Hand gedrückt – gratis, ohne Aufschlag für teure Glücksumfragen und noch teurere Ministerialbeamte, die unschuldige Buchstäblein ausradieren. Und ihr Finanzminister Schäuble  – mit dem übrigens ich weder verwandt noch verschwägert bin, das muss ich aufs Schärfste zurückweisen  –  hätte sich freuen können, wieviel Geld er jetzt schon wieder eingespart hat.